Bescheinigung für Online-Händler

Der konventionelle und stationäre Handel wird immer mehr durch den Absatz über Internet verdrängt. Die Handelsbranche befindet sich in einem massiven Umbruch. Vielfach erfolgt der Absatz über elektronische Marktplätze wie z. B. Amazon oder EBay (sog. Marktplatzbetreiber). Der Marktplatzbetreiber stellt dabei einen virtuellen Handelsraum bzw. eine Plattform zur Verfügung. In die physische Lieferkette ist der Marktplatzbetreiber aber grundsätzlich nicht eingebunden, sondern erbringt eine Dienstleistung an den teilnehmenden Händler. Die Umsatzsteuer für den Verkaufsvorgang müssen die Händler selbständig an das jeweilige Finanzamt abführen. Dies führte in der Vergangenheit zu hohen Umsatzsteuerausfällen in Deutschland, insbesondere durch Händler aus dem Drittland.

Der deutsche Fiskus hat hierauf durch das am 14.12.2018 verkündeten „Gesetz zur Vermeidung von Umsatzsteuerausfällen beim Handel mit Waren im Internet und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“ reagiert. Marktplatzbetreiber werden ab 2019 vom deutschen Fiskus in Haftung genommen, wenn in- und ausländische Onlinehändler auf ihrem Marktplatz in Deutschland Waren vertreiben, ohne deutsche Umsatzsteuer abzuführen. Die Marktplatzbetreiber werden dadurch letztlich genötigt, nur noch mit (steuerehrlichen) Onlinehändlern zusammenzuarbeiten, die nachweisen können, dass sie in Deutschland steuerlich registriert sind.

Der Onlinehändler hat gegenüber dem Marktplatzbetreiber nachzuweisen, dass er in Deutschland steuerlich registriert ist. Dies erfolgt durch eine vom zuständigen Finanzamt erteilte Bescheinigung über die steuerliche Registrierung des Onlinehändlers in Deutschland, die wiederrum dem Marktplatzbetreiber als Nachweis vorzulegen ist und ihn von seiner Haftung entbindet. Die Bescheinigung wird vom Finanzamt in Papierform erteilt, später sollen die Bescheinigungen in einer elektronischen Datenbank abrufbar sein. Der Antrag beim Finanzamt kann schriftlich unter Verwendung des Vordrucks „USt 1 TJ“ gestellt werden, oder per Email, wenn dort die gleichen Angaben enthalten sind. Onlinehändler aus dem Ausland müssen zwingend einen in Deutschland ansässigen Empfangsbevollmächtigten benennen. Die vom Finanzamt erteilte Bescheinigung ist längstens bis zum 31.12.2021 gültig, bis zu diesem Zeitpunkt soll der E-Commerce europaweit vereinheitlicht und reformiert werden.

Bastian Mönnig, StB, MOORE STEPHENS KPWT AG

Bastian Mönnig, StB, MOORE STEPHENS KPWT AG

Derzeit schreiben die Marktplatzbetreiber alle Online-Händler im In- und Ausland an und fordern zur Vorlage der Bescheinigung des Finanzamtes auf, andernfalls könne die Geschäftsbeziehung womöglich nicht fortgesetzt werden. Bereits die Androhung der Haftung für Marktplatzbetreiber durch den deutschen Fiskus zeigte Wirkung: das Finanzministerium Baden-Württemberg weißt in einer Pressemitteilung darauf hin, dass im Mai 2017 insgesamt rund 500 Onlinehändler mit Sitz in China, Hongkong oder Taiwan in diesem Bundesland steuerlich registriert waren, im Dezember 2018 wären es bereits rund 7.000 Registrierungen gewesen.

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