Neue Angabepflicht zur Bestandsgefährdung nach IDW PS 270 n.F.?

Schon Goethe wusste: „Bei wissenschaftlichen Streitigkeiten nehme man sich in acht, die Probleme nicht zu vermehren.“

Nach IDW PS 270 haben bestandsgefährdete Unternehmen aller Größen und Rechtsformen künftig im Anhang anzugeben, dass sie bestandsgefährdet sind, was dazu führte und was der gesetzliche Vertreter dagegen zu tun beabsichtigt. Der Standard gilt ab Prüfungssaison 2019. Von der IDW-Vorgabe sind insbesondere kleine Gesellschaften betroffen, die mangels Lagebericht derzeit nirgends über ihre Bestandsgefährdung berichten müssen.

Das IDW erklärt die Bestandsgefährdung zum besonderen Umstand, der zur Angabe verpflichte, weil der Abschluss ohne Angabe die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage nicht ordnungsmäßig vermittle (§ 264 Abs. 2 Satz 1 HGB) (hierzu kritisch Schüttler, NWB WP Praxis 2018, 213). Die fehlende oder unangemessene Angabe müsse zur Einschränkung des Prüfungsurteiles zum Abschluss führen.

Unabhängig vom IDW hat auch die Bundessteuerberaterkammer ihre Hinweise zur Unternehmensfortführung bei der Abschlusserstellung im März 2018 reformiert. Wenngleich aus ganz anderem Grund rät die BStBK dem mit der Erstellung beauftragten Steuerberater zwar ebenfalls zur Anhangangabe, erklärt sie aber meistens für „rein informatorisch“, also für freiwillig. Auf die Abschlussprüfung gemünzt heißt dies: Das Fehlen einer freiwilligen Angabe darf nicht zur Einschränkung führen. Auch ist eine freiwillige Angabe anders als eine verpflichtende Angabe nicht offenlegungspflichtig (vgl. Schüttler, NWP WP Praxis 2018, 278).

Der Abschlussprüfer muss künftig eigenverantwortlich entscheiden, ob er auf die Anhangangabe besteht oder nicht.

Literaturhinweise:

  • Schüttler, Neue Angabepflicht zur Bestandsgefährdung nach IDW (E)PS 270? – IDW-Vorgabe speziell für kleine Gesellschaften ohne Lagebericht problematisch, NWB WP Praxis 2018, 213.
  • Schüttler, Update: Neue Angabepflicht zur Bestandsgefährdung nach IDW PS 270? – Bundessteuerberaterkammer vertritt andere Meinung als IDW, NWB WP Praxis 2018, 278.

Zurück

Steuer-Kurzinformation für Deutschland

Die aktuelle Steuer-Kurzinformation für Deutschland soll Ihnen einen Überblick über das Steuer- und Sozialversicherungsrecht, Stand 2018, bieten.


Zum Artikel

Die Aufwärtsverschmelzung als Steuerfalle für den Anteilstausch

Nach § 21 UmwStG kann die Einbringung von Anteilen in eine Kapitalgesellschaft gegen Gewährung neuer Anteile an der übernehmenden Gesellschaft unter bestimmten Voraussetzungen steuerneutral erfolgen. Werden die eingebrachten Anteile allerdings innerhalb einer Sperrfrist von sieben Jahren veräußert, unterliegt der Anteilstausch rückwirkend der Besteuerung (Einbringungsgewinn II).


Zum Artikel

Die neueste Ausgabe der MO(O)RE News gibt Ihnen einen Einblick in die jüngsten Entwicklungen der Bereiche (Internationales) Steuerrecht, Rechnungslegung, Arbeitsrecht und Wirtschaftsrecht.

Wir wünschen eine angenehme Lektüre.


Zum Artikel